Gastbeitrag: Mein Weg von fett zu fit

Oder auch: Wie sich mein Leben gewandelt hat, vom dicken Metaller zum Fitnesstrainer – ein Rückblick.

Transformation

Als ich 25 Jahre alt wurde, hatte ich mein Höchstgewicht erreicht, ich wog rund 110kg bei einer Größe von 1,79m und hatte – abgesehen von der lebenswichtigen – nicht den Hauch von Muskulatur. Ich wusste natürlich, dass ich übergewichtig und mittlerweile weit weg von „gesund“ war. Allerdings waren diese Wahrheiten gut versteckt in den hintersten Winkeln meines Bewusstseins, vergraben unter Computerspielen und Junk-Food.

Aber irgendwann war er da, der Tag an dem ich nicht länger leugnen oder verdrängen konnte wie ich mich seit Jahren – mit 18 war ich noch 80kg „leicht“ – immer ungesünder ernährte und lebte und konstant an Gewicht zunahm. Ich begriff, dass ich auf die Art und Weise, mit der ich mein Leben beschritt, nicht weiter machen konnte – zumindest nicht wenn ich meine Wünsche und Ziele, die ich für mein Leben gefasst hatte, auch erreichen wollte. Das wichtigste dieser Ziele: Gesund ein hohes Alter erreichen, glücklich sein und mich wohlfühlen. Denn wohl fühlte ich mich schon lange nicht mehr…das wurde mir immer häufiger schmerzlich bewusst. Die Zeit, in der ich diese Erkenntnis erlangte, war generell eine sehr aufreibende Phase meines Lebens. Ich hatte nach vielen Jahren zu mir gefunden, mich meinen Freunden gegenüber als schwul offenbart und hierbei auch erkannt, dass mein Lebensstil und mein bisheriger Umgang mit mir selbst – meine Gesundheit einbegriffen – letztlich nur der Vermeidung und Verdrängung dieses Themas geschuldet war. Das wollte ich nicht länger zulassen. Ich wollte mein altes Leben hinter mir lassen und neu anfangen.

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Ich – am Anfang meines Weges …

Ich beschloss mich von meinem Pferdeschwanz zu trennen und gleich auch noch von alle den überschüssigen Kilos, die sich über die Jahre angesammelt hatten.
Die Frage war nur wie … wie würde ich mein Übergewicht loswerden? Zugegeben, zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits etwa 8kg verloren, weil ich durch all den Stress um mein Outing so fertig war, dass ich kaum essen konnte. Dass der Verzicht auf Essen keine gesunde Art zum Abnehmen war und keine dauerhafte Lösung sein konnte, war mir jedoch klar. Denn das lies mich mein Körper spüren. Also fing ich an im Internet nach Informationen zu suchen, um herauszufinden wie ich am besten mein Ziel erreichen könnte. Da ich keine Ahnung hatte, begann ich einfach wild darauf los zu lesen und stolperte über Tips, Tricks und vermeintlich gute Ideen und Erfolgsrezepte. Doch wirklich weiter brachte mich das zunächst noch nicht, zumal manches doch recht widersprüchlich war.

Letztlich landete ich in Foren und Blogs in denen es um Bodybuilding und Fitness ging.
Dort schien zum ersten Mal eine gewisse Einigkeit zu herrschen, wie grundsätzlich an die Sache „Gesund abnehmen“ heran gegangen werden sollte. Ich lernte, dass ich um Gewicht zu verlieren, zunächst einmal meinen Körper wie ein Bankkonto betrachten muss: Steckt man mehr rein als man verbraucht, hat man am Ende eine richtig „fette Einlage“. Darüber hinaus schien auch Einigkeit darüber zu herrschen, dass man darauf achten sollte, genügend Protein (Eiweiß) zu sich zu nehmen und auf Alkohol zu verzichten, da dieser dem Diäterfolg sehr stark im Weg steht.

Also begann ich damit, mir meine Ernährung genauer anzusehen. Wie viel kommt rein? Wie viel geht raus? Außerdem hörte ich auf, Alkohol zu trinken. Ich fing an Kalorien zu zählen und darauf zu achten genügend Protein zu mir zu nehmen. Und dann war da ja noch die Ausgaben-Seite … also trieb ich Sport. Ich fing an zu joggen und Krafttraining zu betreiben. Ein guter Freund half mir, einen Einstieg in den Sport zu finden – ich weiß nicht, ob ich es ohne ihn geschafft hätte. Der Anfang war die Hölle … ich kam keinen Kilometer weit ohne nach Luft zu schnappen und mich am nächsten Baum oder der nächsten Parkbank abzustützen. Aber ich hatte den Entschluss gefasst es durchziehen und das tat ich. Aus einem Kilometer wurden zwei und dann drei. Aus Kniebeugen mit meinem eigenen Körpergewicht wurden Kniebeugen mit der Langhantel und aus den ersten gequälten Liegestützen schließlich Bankdrücken. Erst trainierte ich an zwei Tagen pro Woche – mehr ging nicht, der Muskelkater war einfach immer da – dann wurden es drei Tage. Ich begann mich immer mehr einzulesen in Trainingsmethoden und Techniken zum Nährstofftiming. Aber auch in die Zusammensetzung einzelner Stoffe und Lebensmittel sowie deren Wirkung im Körper.

Das Gewicht fiel und ich fing an Muskeln aufzubauen – die Ernährungsumstellung und der Sport hatten sich ausgezahlt. Jede Woche wurde ich leichter und war zufrieden mit der Entwicklung. Schließlich wog ich noch 85 Kilo aber von da an schien nichts mehr zu passieren. Ich hatte ein viel beschworenes Plateau erreicht … es offensichtlich übertrieben – zu viel Sport, zu wenig Essen. Es brauchte einige Zeit bis ich verstanden und auch eingesehen hatte, dass ich mehr statt weniger essen musste, um weiter abzunehmen und, um weiter Sport machen zu können, wie er mir mittlerweile so richtig Spaß machte.

Dann begann ich im Fitnessstudio der TU Darmstadt, an der ich übrigens Maschinenbau studiere, zu trainieren. Ich hatte das Glück, dort recht schnell Anschluss zu finden und zudem einen Trainingspartner zu finden, der genau so ambitioniert war wie ich es mittlerweile war. Ich trainierte fünf Tage die Woche und am Wochenende ging ich joggen. Sport und Ernährung waren zu meinem Hobby geworden, keine Computerspiele mehr und keine Alkoholexzesse. Ich war fasziniert und begeistert und war mir Leidenschaft dabei, was mir sehr gut tat. Schließlich bot sich mir die Chance mein erworbenes Wissen und meine Fähigkeiten zu nutzen und ich begann als Trainer und Kursleiter zu arbeiten, machte die nötigen Aus- und Fortbildungen und begann damit auf diesem Weg zum Teil mein Studium zu finanzieren.

Und hier endet mein Rückblick. Heute arbeite ich nach wie vor als Fitnesstrainer und Kursleiter. Zudem trainiere ich mittlerweile auch Leistungssportler. Im Dezember folgt noch die Ausbildung zum Leistungstrainer Gewichtheben, auf die ich mich tierisch freue! Der Sport ist für mich außerdem der perfekte Ausgleich zum Studium, denn parallel absolviere ich gerade meinen Master.

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Ich – gesünder, glücklicher … und wesentlich leichter ;)

Zum Schluss noch einige kurze Erkenntnisse, die ich auf meinem Weg gemacht habe und die ich unbedingt mit euch teilen möchte:

Beachtet die Grundregeln, das ist das Wichtigste. Kocht frisch und esst unverarbeitete, hochwertige Lebensmittel. Wenn es ums Training geht, sucht euch etwas, das euch Freude bereitet, nur so haltet ihr durch und findet Erfüllung darin. Verliert nicht den Mut, wenn es mal nicht so läuft wie ihr wollt, denn das ganze ist ein langer Prozess. Ihr müsst eine gesunde Lösung finden, mit der Ihr dauerhaft leben könnt und mit der ihr dauerhaft glücklich seid. Nur so könnt ihr langfristig erfolgreich sein. Hier auf dem Blog findet ihr viele nützliche Informationen, die gut recherchiert sind und euch helfen werden, ich auf effektive Art und Weise mit dem Thema Ernährung zu beschäftigen. Und das sage ich nicht nur, weil Claudio mich dafür bezahlt ;D

So … das war meine kleine Geschichte. Ich hoffe ihr hattet ein wenig Spaß beim Lesen und ich konnte den einen oder anderen motivieren, sich stärker mit den Themen Sport und Ernährung auseinander zu setzen. In diesem Sinne wünsche ich euch viel Erfolg und Freude auf eurem eigenen Weg!

Liebe Grüße,

Philo

2 Kommentare zu „Gastbeitrag: Mein Weg von fett zu fit

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