Von Fleischkonsum, Männlichkeit und Destruktivität – Teil I

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Hallo zusammen!

Besonders in der Grillsaison hört man es immer wieder: „Ein richtiger Mann isst Fleisch!“. Um Männerträume wahr werden zu lassen, braucht es meistens nur einige (Kilogramm) Steaks und Würstchen. Verfeinert mit einer feinen Grillsoße und ergänzt um Baguette und Kräuterbutter sowie das obligatorische Pils – schon sind die kulinarischen Bedürfnisse des gemeinen Mannes erfüllt. Und wehe jemand legt einen Maiskolben oder Fetakäse auf den Grill! Hochverrat an der Männlichkeit!

Nun … ganz so schlimm ist es nicht, doch allzu Fern von der Realität eben auch wieder  nicht. Nicht nur beim Grillen kann fehlendes Fleisch viele Männer teilweise an den Rand der Verzweiflung bringen. Irgendwie auch nachvollziehbar – wissen wir doch, dass nur wenige Tage Fleischverzicht mit Mangelernährung und beginnendem Verlust der Männlichkeit einhergehen. Was haben wir für ein Glück, dass die Fleischtheken zu jeder Zeit randvoll gefüllt sind!

Nun aber mal ehrlich – wenn man sich mit dem Thema geschlechtsspezifisches Essverhalten beschäftigt, so gewinnt man viele interessante Erkenntnisse, von denen ich einige gern mit Euch teilen möchte.

Männer konsumieren mehr Fleisch und Alkohol als Frauen

Das wird wahrscheinlich niemanden überraschen. Doch dass Männer im Vergleich zu Frauen tatsächlich die doppelte Menge verdrücken, hat mich dann schon etwas überrascht.

„Männer essen mit 1092 g pro Woche doppelt so viel Fleisch, Fleischerzeugnisse und Wurstwaren wie Frauen. Damit überschreiten Männer den von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) zugrunde gelegten Orientierungswert von 300 bis 600 g pro Woche um das Zweifache.“ So heißt es im 12. Ernährungbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Die Nestle Ernährungsstudie 2019 (n = 1.636) untermauert den vergleichsweise hohen Fleischkonsum von Männern. 57 Prozent genießen mindestens viermal pro Woche Mahlzeiten mit Fleisch. Bei den Frauen sind es dagegen nur 30 Prozent.

Im Ernährungsbericht der DGE heißt es ebenfalls: „Männer trinken etwa doppelt so viel Limonade und mehr als sechsmal so viel Bier wie Frauen. Auffällig ist der hohe Spirituosenkonsum von jungen Männern zwischen 19 und 24 Jahren: Sie trinken viermal so viel Schnäpse, Liköre, Cocktails oder Alkopops wie Männer anderer Altersgruppen.“ 

Gut, der hohe Bierkonsum sowie der vermehrte Konsum von hochprozentigem Alkohol innerhalb einer gewissen Altersspanne verwundert kaum. Aber warum trinken die Herren so viel Limonade? Und damit nicht genug, denn der Bericht zeigt ebenfalls, dass „[…] die männliche Bevölkerung mehr Zucker, Süßwaren, Kuchen, Torten und Gebäck sowie Fruchtsäfte und Nektar verzehrt. Auch isst sie mehr Brot, Getreide, Getreideerzeugnisse, wie Reis, Nudeln oder Cerealien sowie Knabberartikel. Dabei verzehren junge Männer unter 25 Jahren nahezu doppelt so viel Getreide und Getreideerzeugnisse wie die über 65-Jährigen.“ Männer sind scheinbar die absoluten Kohlenhydrat-Lover.

Männer kochen (immer noch) weniger als Frauen

Puh … ein wenig verstaubt das Klischee oder? Ich dachte wir wären hier etwas weiter. Eine aktuelle Studie (2019) der Civey GmbH, in dessen Rahmen mehr als 5.000 Bundesbürger Angaben zum Thema Ernährung machten, zeigt jedoch etwas anderes: Nur 26,2 Prozent der befragten Männer, aber 45 Prozent der Frauen kochen täglich selbst. Passend dazu essen 17,7 Prozent der Männer und nur 10,4 Prozent der Frauen mindestens einmal in der Woche ein Fertiggericht.

Betrachten wir das Ganze einmal unabhängig vom Geschlecht, ist es irgendwie trotzdem ernüchternd oder? Dass wir es nicht schaffen, wenigstens einmal am Tag zu kochen … schon irgendwie schade. Die Nestlé Ernährungsstudie zeigt darüber hinaus einen Abwärtstrend seit 2009. Denn in dieser Zeit kochten noch 62 Prozent der Befragten jeden Tag. 2019 sind es nur noch knapp die Hälfte, nämlich 52 Prozent.

Falls es Euch nur an leckeren Rezepten fehlt, dann schaut gern einmal hier vorbei oder nutzt andere Seiten im Internet. Immerhin 66,1 Prozent der Befragten der Civey-Studie beschaffen sich heutzutage so ihre Koch-Ideen.

Männer essen weniger Obst und Gemüse als Frauen

Obst-Gemüse-Frau

Die Studie der Civey GmbH zeigt ebenfalls: Nur 42,2 Prozent der Männer aber 55,9 Prozent der Frauen essen täglich frisches Obst. Bei Gemüse zeigt sich eine noch größere Schere. Gerade einmal 28 Prozent der Männer aber 42,8 Prozent der Frauen essen täglich frisches Gemüse.

Auch die Nestle Ernährungsstudie 2019 zeigt ähnliche Tendenzen. Laut der Studie stehen bei 48 Prozent der Frauen regelmäßig Obst und Gemüse  auf dem Speiseplan. Im Vergleich stehen die Männer mit 27 Prozent auch in dieser Studie wesentlich schlechter da.

Auf Wiedersehen 5-am-Tag, es war schön mit Dir, aber du bleibst offenbar eine Utopie. Dann doch lieber die Frikadelle – ist ja ohnehin oft günstiger. Die Frage, wie diese absurde Preisbildung überhaupt zustande kommen kann, darf man sich übrigens ruhig einmal stellen – einfach mal verrückt sein und Dinge hinterfragen.

Männer mögen es eher ungesund, Frauen eher gesund

Wir Männer geißeln uns scheinbar gern selbst. Eine Studie aus dem Social Psychology (2015) zeigt, dass Männer Produkte präferieren, die eher ungesund sind, da diese als männlich gelten. Gesunde Produkte hingegen werden mit Weiblichkeit assoziiert. Und so greifen beide Geschlechter eher zu den Produkten, die stereotypisch und geschlechtsspezifisch zu ihnen passen. Kleiner Spoiler: In diesem Spiel können wir nur verlieren liebe Männer.

Auch Brian Wansink, der Direktor des Food and Brand Lab der Cornell University bestärkt diese Ergebnisse in einem Interview:

„People are more likely to eat a food when they associate it with qualities they’d like to see in themselves. So a man who wants to be strong and masculine is more likely to eat a food described as strong and masculine“

Das heißt, dass Männer und Frauen Produkte bevorzugen, die mit Eigenschaften assoziiert werden, mit denen Sie gern in Verbindung gebracht werden würden bzw. die Sie als erstrebenswert erachten.

Weitere spannende Inhalte zu diesem Thema findet Ihr in Teil II dieses Beitrags.

 

Passt auf Euch auf und bleibt gesund,

Euer Claudio

Ein Kommentar zu „Von Fleischkonsum, Männlichkeit und Destruktivität – Teil I

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  1. Lieber Claudio, sehr informativ, unterhaltsam und persönlich geschrieben. Bringt einen zum Nachdenken… Vielen Dank und Grüße! Björn

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