Stressfaktor Social Media: 6 Gründe, warum sie dich gestresst und erschöpft zurücklassen (Teil 1)

Der Beginn eines ganz normalen Arbeitstages im Home Office. Ich stehe vor meiner Kaffeemaschine und swipe mich durch einige Instagram-Storys während der Vollautomat sein Ding durchzieht. Doch dann findet das Gewische ein abruptes Ende: „Hör auf!“ sage ich mir. Denn mal wieder ertappe ich mich dabei, keine halbe Minute auf einen Kaffee warten zu können, ohne dabei Social Media zu konsumieren.

Kommt Euch das bekannt vor? Wie oft holt Ihr das Smartphone aus Gewohnheit aus der Tasche? Wann habt ihr das letzte Mal auf etwas gewartet, ohne direkt das Mobiltelefon am Start zu haben? Wie oft tippt ihr aus Gewohnheit auf die Oberfläche, um zu sehen, ob Ihr Nachrichten bekommen habt? Wie oft surft ihr sogar beim Fernsehen mit eurem Smartphone im Web? Wie oft liegt es beim Arbeiten oder sogar beim Essen auf dem Tisch? Wie oft lasst ihr das Smartphone wirklich mal in einem anderen Raum? Habt ihr schon einmal einen oder mehrere Tage einen Digital Detox eingelegt? Wie groß ist eure Angst etwas zu verpassen – eure sogenannte FOMO (fear of missing out).

Ihr merkt worauf ich hinaus möchte. Smartphones haben heute großen Einfluss auf unser Leben. Neben gelegentlichem Surfen oder dem Verfassen von Nachrichten über WhatsApp, sind es vor allem Social Media, die uns in ihren Bann ziehen. Das diese Medien genau dafür konzipiert sind, uns möglichst lang an den Geräten zu halten, muss man wohl spätestens seit dem erscheinen der Dokumentation „The Social Dilemma“ nicht mehr erwähnen. Hierbei spielen vor allem hormonelle Prozesse und insbesondere das oft als Belohnungshormon bezeichnete Dopamin eine entscheidende Rolle. Doch die steigende Screen Time ist nicht das einzige Problem. Je nachdem, ob man die Zeit in den Medien sinnvoll verbringt – was durchaus möglich ist – verschwendet man jedoch nicht nur jede Menge Zeit. Denn der intensive und extensive Konsum von Social Media hat weitere, viel tiefergreifendere Folgen – er kann in hohem Maße Stress und damit einhergehend Erschöpfung erzeugen.

Über sechs der dafür verantwortlichen Gründe könnt Ihr in meinen beiden Beiträgen erfahren. Zudem liefere ich Euch in jedem Bereich praktische Tipps, um dem Ganzen entgegen zu wirken. Neugierig geworden? Na dann – let’s go!

#1 Social Media verleitet zum Multitasking

Ob in der Tasche, auf dem Ess- oder Schreibtisch – das Smartphone ist mittlerweile immer griffbereit. Mit lauten Benachrichtigungen oder Vibrationen fordert es immer wieder unsere Aufmerksamkeit ein. Sogar das Display leuchtet kurz auf, damit wir direkt sehen können, welche Mitteilung gerade eingegangen ist – wie praktisch! Haben wir den Moment verpasst, reicht ein Tippen auf das Display, um sofort zu sehen, was wir verpasst haben. Ein Ruhe- bzw. Nicht-Stören-Modus könnte uns ein wenig mehr Ruhe geben. Aber sind wir doch mal ehrlich: Wer schaltet den schon tagsüber ein? Am Ende schauen wir also immer wieder auf das Gerät, selbst wenn es sich nicht meldet – aus Gewohnheit und weil wir den kleinen Dopamin-Kick brauchen. Ja genau: Selbst das Tippen auf das Display kickt rein. Einen bzw. mehrere kleine Dopamin-Kicks bekommen wir übrigens auch dann, wenn wir durch unseren Social Media Feed scrollen oder wenn uns jemand geschrieben hat und wir antworten. Die Erledigung dieser Mini-Aufgabe gibt uns direkt ein gutes Gefühl. Und so lassen wir uns für die Dopamin-Belohnung immer wieder auf derartige Micro-Tasks ein – eine willkommene Abwechslung zu den großen und anstrengenden Aufgaben, die der Tag so für uns bereit hält.

Doch letztlich führt die Verlagerung der Aufmerksamkeit auf unser Smartphone auch immer dazu, dass wir von dem, was wir gerade tun abgelenkt werden. Denn eins muss ich – auch wenn es vielen von euch wahrscheinlich schon klar ist – noch einmal sagen: Multitasking ist ein Mythos! Eine Ausnahme stellt lediglich die gleichzeitige Nutzung von prozeduralem und deklarativem Gedächtnis dar. Das heißt sich beim Autofahren mit Beifahrern zu unterhalten ist natürlich möglich. In allen anderen Fällen tun wir die Dinge immer sequenziell – also strikt nacheinander (im Wechsel). Jedenfalls ist die Ablenkung bzw. Unterbrechung mit einigen Kosten verbunden. Sie kostet Zeit und Energie! Zunächst wird sich das, was wir gerade tun verzögern – auch weil es einige Minuten dauert, bis wir uns wieder in gleichem Maß auf unser eigentliches Vorhaben konzentrieren können. Vorher müssen wir übrigens den Wiedereinstiegspunkt finden – auch hier fließt Energie. Zudem kostet jeder Aufmerksamkeitswechsel sowie die Entscheidung dafür Energie. Und dann fließt natürlich auch eine gewisse Menge an Energie in das, was wir als Ablenkung tun.

Unser Gehirn ist nicht dafür gemacht, immer wieder schnell zwischen verschiedenen Tätigkeiten zu wechseln. Für unser Hirn (und damit auch für uns) ist das Stress. Unsere Produktivität sinkt massiv, wir sind alles andere als effizient. Auch wenn es hin und wieder den Eindruck haben mag. Multitasking ist im Grunde eine hervorragende Methode viele Dinge gleichzeitig in den Sand zu setzen.

Schauen wir uns ein anderes Szenario an: Wir sitzen abends auf der Couch, der TV läuft. Das Handy benachrichtigt uns per Ton oder Vibration über eine WhatsApp-Nachricht. Wir wissen: Früher oder später „müssen“ wir die Nachricht beantworten. Toll – jetzt auch noch ein To-Do im Feierabend. Kurz darauf folgt die nächste Benachrichtigung. Die Neugier aber auch der Druck steigt. Nicht nachzugeben kostet uns – so wie das Widerstehen einer Schale mit Süßigkeiten die vor uns auf dem Tisch steht – ebenfalls Energie bzw. Willenskraft. Schließlich geben wir nach. Wenig später geht das Gleiche von vorn los. Immer wieder baut sich Druck auf. Antworten wir erst (einige Tage) später, schwirrt uns ständig im Kopf umher, dass wir ja noch antworten wollen. So oder so entsteht bzw. steigt Druck und mit ihm auch das Stresslevel. Auch wichtig zu wissen: Genauso kostet uns alles Energie, was wir ausblenden müssen während wir einer Sache nachgehen.

Was also tun?

  • Es hilft nichts: Smartphone während des Arbeitens außer Sicht- und Hörweite schaffen. Wenn wichtige Anrufe kommen könnten, legt das Gerät zumindest weiter weg.
  • Das Gerät beim Essen oder beim Besuch von Freund:innen in der Jacke lassen oder alle Geräte in einer Box sammeln und in den Nebenraum bringen – das wird das Zusammensein mit Familie und Freunden positiv verändern.
  • Nehmt Euch ganz bewusst vor: „Bei der nächsten Wartezeit (vor der Kaffeemaschine, an der Kasse, auf dem WC, im Wartezimmer oder wo auch immer) verzichte ich auf das Smartphone.“ Ihr könnt auch einen Hintergrund mit einer entsprechende Botschaft erstellen und diesen auf dem Sperrbildschirm nutzen. Geht der Bildschirm an, sehr Ihr die Botschaft
  • Verzichtet auf den gleichzeitigen Medienkonsum. Betreibt ganz gezielt Singletasking.
  • Greift statt zum Smartphone gern auch mal zu Slow Media wie zum Beispiel Büchern. Das fördert die Konzentrationsfähigkeit. Denn diese wird durch Multitasking sukzessive schlechter.

#2 Social Media fördert Fremdbestimmung

Sind wir mal kritisch zu uns selbst: Wie oft teilen wir Impressionen von Restaurant-, Bar- oder Clubbesuchen, von Urlauben oder Trips? Wie oft haben wir schon gedacht: „Davon könnte ich ein tolles Foto machen, um es dann über Social Media zu teilen?“ Erleben wir noch Dinge nur für uns selbst? Oder besteht der größte Anreiz bereits darin, das Erlebte anschließend auf Social Media zu teilen, um dafür positives Feedback und/oder Bewunderung zu erhalten? Wann haben wir das letzte Mal einen besonderen Augenblick nur für uns gehabt … ihn wirklich achtsam verfolgt … ihn aufgesagt und mental konserviert … statt Fotos und Videos zu machen, um das Ganze dann über Social Media zu teilen – im schlechtesten Fall noch an Ort und Stelle. Womit dann auch die ganze Aufmerksamkeit weg vom Moment hin auf das Smartphone verlagert ist.

Ich muss bei diesem Thema immer an eine ganz spezielle Szene im Film „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ denken. Im letzten Teil des Films findet Walter Mitty (Ben Stiller) nach langer Suche endlich Sean O’Connell (Sean Penn) im Himalaya Gebirge. O’Connell ist begnadeter Fotograf und kurz davor ein Foto von einem sehr seltenen Schneeleoparden zu schießen – hierfür ist er um die halbe Welt gereist. Der folgende Dialog entsteht:

„Wann drückst Du auf den Auslöser?“ – „Manchmal gar nicht. Wenn mir ein Moment gefällt, ich meine, mir… persönlich, dann will ich nicht, dass mich die Kamera irgendwie ablenkt. Dann will ich einfach nur… darin verweilen.“ – „Darin verweilen?“ – „Ja, so wie gerade. Hier und jetzt.“

Der Dialog löst bei mir jedes Mal eine Gänsehaut aus, weil – obwohl er so simpel daherkommt – so viel in ihm steckt. Die Szene könnt ihr übrigens auch auf YouTube finden. Ich glaube ihr wisst, was ich meine. Vielleicht dürfen wir wieder weniger für andere und mehr für uns selbst erleben? Denn wenn ich mich Frage, welches Bild und Video anderen gefallen würde, lasse ich mich zu einem gewissen Grad fremdbestimmen. Dann bin nicht bei mir, sondern bei dem, was andere wollen würden.

Ein sehr plakatives und konkretes Beispiel für diese Fremdbestimmung ist die Abstimmungsfunktionen auf Instagram. Über sie kann man Abstimmungen erstellen und die eigenen Follower über was immer man möchte abstimmen lassen. So zum Beispiel auch darüber, welche Kleidung man tragen soll, welches Gericht man kochen soll, welchen Sport man treiben soll oder über was man in seinen Fotos und Videos berichten soll. Letzteres lässt sich auch oft in YouTube-Videos beobachten, wenn es heißt: „Zu welchem Thema würdet Ihr gern ein Video von mir sehen.“ Das ist aus ökonomischer Sicht sicherlich sinnvoll (Kundenbefragung und so) bedeutet aber auch unmittelbare Fremdbestimmung. Zudem wird man per Algorithmus mit mehr Followern belohnt, je mehr Content man generiert. Schnell fühlt man sich gedrängt mehr Fotos und Videos zu veröffentlichen. Sie kann aber auch indirekter auftreten. Und zwar durch wenige bzw. viele oder positive bzw. negative Kommentare. Wir möchten gefallen, zum einen um positives soziales Feedback zu erhalten und zum anderen, um – auf Plattformen wie Facebook, Instagram & Co. mehr Follower zu gewinnen. Also wird mehr von dem getan, was ankommt. Und wieder sind wir weniger bei dem, was wir wollen, sondern mehr bei dem, was andere wollen.

In psychosozialer Hinsicht wissen wir: Fremdbestimmung verursacht Stress. Denn letztlich ist es so: Immer dann, wenn andere am Hebel sind und wir nicht autonom handeln dürfen, entsteht Unberechenbarkeit bzw. Unsicherheit. Wir haben die Dinge immer weniger in der Hand, bestimmen immer weniger selbst – vielmehr entscheiden andere durch ihr Feedback, was wir tun. Besonders problematisch wird es dann, wenn man sich von diesem Feedback emotional oder finanziell (z.B. durch eine Selbstständigkeit als Influencer bzw. Content Creator) abhängig macht. Das ist ein Hauptgrund dafür, warum Menschen, die diesen Beruf ausüben, unter so hohem Druck stehen. Die Journalisten von STRG_F haben sich das Ganze mal genauer angeschaut. Den Bericht findet ihr auf YouTube. Natürlich taucht das Thema Fremdbestimmung genauso in andere Tätigkeitsbereichen auf, so auch bei mir. Es ist wie immer eine Frage des Ausmaßes.

Oft ziehen sich Menschen früher später aus Social Media zurück, weil sie diesem ganzen Druck nicht mehr standhalten und nur noch die Interessen aller Gruppen um sich herum befriedigen und sich dabei selbst vernachlässigen (müssen). Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist Sophia Thiel, eine bekannte Fitness-Influencerin, die sich nach einigen sehr erfolgreichen Jahren im Jahr 2019 aufgrund diverser psychischer Herausforderungen komplett aus dem Business zurückzog, um dann 2021 auf eine andere, gesündere Art und Weise ins Geschäft zurückzukehren – ob ihr der Spagat gelingt … man wird es sehen. Denn wenn wir daran denken, dass Stress immer auch zu Hunger führt, der letztlich auch schnell zu Gewichtszunahme führt, dann kann man sich vorstellen, wie schwer es ist, bei Stress in puncto Ernährung konsequent zu bleiben – wenn doch das Gehirn nach Energie schreit und die allostatische Last immer weiter steigt.

Was also tun?

  • Beobachte dich selbst und frage dich beim nächsten Impuls für ein Foto bzw. Video, ob Du es für dich selbst oder eigentlich eher für andere machst.
  • Genieße den Moment mit allen Sinnen. Lenke deine Aufmerksamkeit auf ihn und nicht auf das Smartphone. Tauche achtsam in ihn ein, erlebe ihn bewusst und lasse deine Emotionen bei der Speicherung dieses Moments unterstützen.
  • Stelle dir zum Beispiel folgende Fragen: Warum genau teile ich dieses Foto? Was möchte ich bewirken? Was ist mein Bedürfnis dahinter? Könnte ich es vielleicht auf gesünderem Weg befriedigen?
  • Mach dich nicht abhängig vom Social Feedback deiner Follower. Teile nicht das, was andere mögen, sondern das, was Du am liebsten magst. Selbstbestimmung ist Voraussetzung für Selbstwirksamkeit.

#3 Social Media führen zu einer unnatürlichen Erweiterung der Peer-Group

Wer erinnert sich noch an seine Schulzeit? Wahrscheinlich habt Ihr euch regelmäßig mit euren (näheren) Freund:innen oder auch mal mit Schüler:innen aus dem Jahrgang verglichen, euch zu anderen ins Verhältnis gesetzt. Das gab euch Orientierung, es half euch, euch einzuordnen und gab euch die Möglichkeit durch eine gewisse Konformität dazuzugehören. Denn Zugehörigkeit ist insbesondere zu dieser Zeit ein sehr wichtiges Bedürfnis. Diese Aspekte sind Teil unserer Sozialisierung und auch völlig normal. Auch zu dieser Zeit gab es Menschen, die bei diesem Vergleich vielleicht nicht sonderlich gut abgeschnitten haben. Einfach nur, weil sie ein wenig anders waren – in welcher Hinsicht auch immer. Und selbst, wenn sie sich zunächst selbstbewusst als eines der Cool Kids einschätzten, wurden sie von anderen auf kurz oder lang eines besseren belehrt. Kinder und Teenager können grausam sein und so gab es immer auch Außenseiter:in.

Wie sieht das Ganze eigentlich heute aus? Mit wem vergleichen wir uns? Und damit meine ich nicht nur Heranwachsende. Wenn wir viel Social Media nutzen, lautet die Antwort: mit unfassbar vielen Menschen – zu vielen Menschen! Bedenklich ist nicht nur die schiere Anzahl, sondern auch, dass wir uns zum größten Teil mit vermeintlich perfekten Menschen vergleichen. Menschen, die nicht nur gut aussehen und perfekt durchtrainiert sind, sondern auch mit Menschen, denen offenbar genug Geld zur Verfügung steht, um jeden Tag in einem anderen Restaurant zu essen und jeden Monat in ein anderes Land zu reisen. Oft hinkt dieser Vergleich aber massiv. Denn zum einen sind dies nur punktuelle Ausschnitte des Lebens dieser Menschen – wie es ihnen im Rest der Zeit geht, bleibt eine Blackbox. Und zum anderen zeigen – oder sollte ich besser sagen vermarkten – sich auf Social Media vor allem Menschen mit Erfolg, die gutaussehend und gefühlt in allen Lebensbereichen erfolgreich sind. Das die Anhängerschaft dieser Menschen groß ist wundert nicht, denn wer möchte schon am Leben von 0815-Menschen teilhaben. Schade nur, dass dieses 0815-Leben für die meisten von uns das ganz normale Leben ist, für das man sich nicht schämen muss, über das man nicht enttäuscht sein muss, für das man in der Regel auch dankbar sein kann und sollte.

Fakt ist: Der Vergleich ist des Glückes Tod. Und wenn wir uns die Menge der Menschen, mit denen wir uns vergleichen sowie die Art der Menschen, mit denen wir uns vergleichen ansehen, dann macht uns das auf kurz oder lang unglücklich. Es erzeugt ein schlechtes Gefühl und psychosozialen Stress. Ständig werten wir uns indirekt ab und stellen uns Fragen. Warum können wir nicht so gut aussehen? Warum können wir nicht so durchtrainiert sein? Warum funktionieren unsere Beziehung nicht so perfekt, wie die der makellosen Menschen, deren Follower in die Hunderttausende gehen. Warum haben wir nicht so tolle Kleidung, warum kein teures Auto? Warum kein großes Haus? Und obwohl es mir vielleicht sogar gut geht, entsteht ein Gefühl davon nicht genug zu haben und nicht genug zu sein. Es entsteht ein Defizit-Gefühl. Ich füttere mich immer weiter mit unrealistischen Vorstellungen und nach einer gewissen Zeit besteht die Gefahr, dass das, was ich auf diesen Plattformen sehe, zu meinem „Normal“ wird. Zu dem, das anzustreben ist – ob es nun die optimalen Modelmaße, ein Leben als Jetsetter oder die Anhäufung von teuren Besitztümern ist, von denen ich glaube, dass sie mich glücklich machen könnten. Das Problem: Einige Dinge können wir gar nicht erreichen und das macht uns unglücklich.

Ein anderes problematisches Beispiel ist die Suche nach dem Partner bzw. der Partnerin. Täglich konsumieren wir Bilder von Frauen bzw. Männern, die – oft auch nur durch entsprechende Filter oder günstiges Posing – überdurchschnittlich gut aussehen. Apps wie Facetune oder ähnliche setzen dem ganzen mittlerweile eine Krone auf. Sogar Videos lassen sich heute auf Knopfdruck „optimieren“. Auch hier konvergiert das Normal also immer weiter mit den Bildern, die auf Instagram & Co. vermittelt werden. Gleichzeitig bieten Single-Apps wie Tinder oder Lovoo die Möglichkeit unendlich lang nach der perfekten Person zu suchen. Das ist also nicht mehr wie in der Schule oder im späteren Freundeskreis, in dem die Partner:innenwahl begrenzt war. Denn wenn’s nicht passt, dann wird einfach der nächste Match abgewartet. Schließlich muss der:die neue Partner:in entsprechend aussehen und darf keine (Beziehungs-)Arbeit bedeuten. Nicht zuletzt, weil alle anderen Beziehungen, denen ich auf Social Media folge, schließlich auch mühelos funktionieren. Außerdem stellen wir uns bei dem Ganzen immer wieder die Frage: War es das schon? Da muss es doch noch etwas besseres, jemand besseren für mich geben? Diese kognitive Dissonanz verursacht ebenfalls Stress.

Was also tun?

  • Solltest Du Instagram & Co. nutzen, achte genau darauf, welche Bilder und Videos Du konsumierst bzw. welche vermeintliche Realität dir die Profile suggerieren, denen Du folgst.
  • Checke regelmäßig die Profile oder die Quellen, denen Du folgst und nimm genau wahr, wie Du dich beim Konsumieren dieser Inhalte fühlst. Geht es dir schlecht, solltest Du womöglich auf gewisse Inhalte verzichten bzw. entsprechenden Profilen entfolgen.
  • Kultiviere Dankbarkeit, am besten täglich! Lenke deine Aufmerksamkeit auf das, was Du hast. Gesundheit, Sicherheit, Familie und Freunde, ein Dach über dem Kopf, eine warme Mahlzeit auf dem Tisch, das Privileg auf Bildung und vieles vieles mehr.
  • Fördere einen gesunden Vergleich mit Menschen, die dir Orientierung geben und dich für realistische (!) Ziele motivieren.
  • Vergleiche dich mit der Person, die Du gestern warst. Nicht mit einer Person, die ein anderer heute ist.

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