Die Milch macht’s! Oder doch nicht?

Milch

Hallo meine Lieben,

Milch gehört für viele von uns einfach dazu. Ob morgens im Müsli, im Kaffee oder abends als allseits bekannte „warme Milch mit Honig“. Doch auch, wenn der Pro-Kopf-Konsum von Milch (und Milchprodukten) zwischen 2010 und 2016 keinen signifikanten Veränderungen unterlag, hangeln sich um Milch mittlerweile doch allerlei Kontroversen, die den einen oder anderen mit Sicherheit nicht nur an dem gesundheitlichen Mehrwert von Milch zweifeln lassen.

Gesund oder ungesund? Was denn nun?

Tatsächlich ist es schwer hier fundierte Aussagen zu treffen; nicht zuletzt, weil die eine oder andere Studie aus Richtung der Milchindustrie kommt. Einige Studien zeigen beispielsweise, das Milch offenbar Prostata-Krebs fördert, andere wiederum, dass sie Darmkrebs entgegen wirken kann. Auch die Auswirkungen auf das Gewicht sind sehr umstritten, wobei der hohe Kaloriengehalt von Milch (ca. 64 kcal / 100ml) hierbei in meinen Augen nur wenig Spielraum für Diskussionen bietet. Fest steht jedenfalls, dass die gesundheitsfördernden bzw. gesundheitsschädigenden Effekte von Milch eher langfristiger und diffuser Natur zu sein scheinen. So zum Beispiel auch die Auswirkungen der sogenannten microRNA, die eine genregulative Wirkung aufweist und derzeit Gegenstand der wissenschaftlichen Kontroverse ist. 250 dieser genetischen Partikel, von denen viele über die Artgrenze hinweg bioaktiv sind, wurden in Kuhmilch gefunden. Das bedeutet, dass wir nicht ausschließen können, dass ein hoher Milchkonsum unsere Genetik „manipulieren“ könnte. Hier gibt es zwar erste Studien, die negative Zusammenhänge erkennen lassen, aber die Forschung ist noch nicht so weit, als dass man hier vollständig valide Aussagen treffen könnte. Man kann sich also durchaus darauf einigen, dass beim Thema Milch Uneinigkeit, aber auch Unklarheit herrscht.

Klar ist in meinen Augen aber, dass es heutzutage mehr als einen hohen Calciumgehalt braucht, um ein Lebensmittel für besonders gesund zu erklären. Denn Calcium mit vergleichbarer oder besserer Bioverfügbarkeit findet Ihr schließlich auch in anderen Lebensmitteln (z.B. Brokkoli, Sojaprodukte, Grünkohl, Chinakohl sowie in allen Kohlkopfarten) und Getränken (z.B. Mineralwasser, Sojadrink mit Calciumzusatz).

Obwohl die Forschung wie gesagt wenig einheitliche Tendenzen erkennen lässt, möchte ich euch doch gern eine Tatsache und zwei Fragen mit auf den Weg geben, die euch vielleicht bei der Entscheidungsfindung unterstützen können.

Tatsache:
„In vielen Ländern der Erde, vor allem in Asien und Afrika, ist Laktoseintoleranz normal. Dass Menschen überhaupt Milchprodukte verdauen können, ist nur durch eine Veränderung des Erbgutes möglich, eine genetische Mutation. Sie ist vor allem in solchen Kulturen verbreitet, die schon lange Milchwirtschaft betreiben.

Eigentlich bilden nämlich nur Säuglinge während der Stillzeit Laktase, um die Muttermilch verdauen zu können. Nach der Nahrungsumstellung nimmt die Laktaseproduktion ab, und Milch wird nicht mehr vertragen. Bei der „echten“ Laktoseintoleranz – also einer, die vererbt wird und nicht aus anderen Erkrankungen entsteht – erben die Betroffenen das ursprüngliche Gen, das die Laktaseproduktion nach der Milchentwöhnung abschaltet.“

Quelle: was-ist-laktoseintoleranz.de

Dass wir Milch vertragen, ist also eigentlich nur der Evolution und einer einhergehenden Mutation zu verdanken.

Fragen:
Wie wahrscheinlich ist es, dass die Milch, die eigentlich ausschließlich für Kälber bestimmt ist und in all ihren hochspezifischen Bestandteilen und ihrer Funktionsweise auf den Organismus dieses Tieres abgestimmt ist, gut für uns ist? Und wie wahrscheinlich ist es, dass eine Substanz, dessen erstes artenübergreifendes Ziel das möglichst starke Wachstum des Säuglings ist, keine bzw. nur positive Auswirkungen auf unseren (ausgewachsenen) Körper hat?

Worüber sollte ich mir eher Gedanken machen, wenn es um Milch geht?

Da sich im Hinblick auf die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Milch durchaus streiten lässt, wenden wir unseren Blick doch einmal auf Aspekte, die nur wenig Raum für Diskussionen bieten. Denn neben den Inhaltsstoffen der Milch spielt natürlich auch die Gewinnung der Milch und der damit verbundene Umgang mit dem Tier eine große Rolle. Zumindest wenn Ihr versuchen möchtet, eure Ernährung tendenziell in eine ethisch vertretbare Richtung zu lenken.

Das moderne Hochleistungsrind – die „Turbokuh“

Vor etwa 100 Jahren erbrachte eine Milchkuh noch etwa 2.000 – 2.400 Liter pro Jahr. Heute sind es knapp 10.000 Liter. Der Milchertrag einer Milchkuh wurde in dieser Zeit also etwa vervierfacht. Natürlich bleibt dies nicht ohne Konsequenzen. Nach nur 5 Jahren sind die Kühe so ausgezehrt, dass sie keinen Ertrag mehr bringen. Grund: Während der Laktation kommen die Kühe auf eine negative Energiebilanz, die sie nicht mehr über das Futter kompensieren können. Folge sind nicht selten schmerzhafte oder tödliche Erkrankungen, die auch durch das Kraftfutter begünstigt werden. Denn Gras gibt es für Kühe immer seltener. Nur 42 Prozent aller Milchkühe haben zeitweise Zugang zu Weiden.

Ohne Schwangerschaft und Kälber keine Milch

Natürlich müssen Milchkühe permanent schwanger gehalten werden. Denn ohne Schwangerschaft würden diese keine Milch geben. Und so werden die Kühe mittels künstlicher Befruchtung geschwängert, um so eine fast ganzjährige Laktation zu gewährleisten. Nur wenige Minuten nach der Geburt wird das frischgeborene Kalb jedoch von der Mutter getrennt. Manche Kühe rufen nach der Trennung stunden oder sogar tagelang nach ihrem Kalb. Die weiblichen Kälber werden letztlich mittels Milchaustauscher aufgezogen. Auf die furchtbaren Schicksale, die die männlichen Kälber zum Teil ereilen, möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen. Vielleicht betreibt ihr hier selber einmal ein wenig Recherche.

Die Auswirkungen der Milch auf den Klimawandel

Für die Milchproduktion gelten im Grunde die gleichen Problemstellungen wie für die „Produktion“ von Rindfleisch. Wir alle wissen, welche dramatischen Auswirkungen die Rinderzucht auf das Klima hat. Auf der einen Seite die Abholzung der Regenwälder (insbesondere in Südamerika) zur Gewinnung von Weideland und Soja-Anbaugebieten, da die oft genveränderten Sojabohnen wesentlicher Bestandteil des Tierfutters sind. Und auf der anderen Seite der Methanausstoß, der durch Kühe verursacht wird. 14,5 Prozent der menschgemachten Treibhausgase gehen übrigens auf das Konto der Tierzucht. Damit liegen diese sogar 1,5 Prozent über den Emissionen, die durch den weltweiten Verkehr erzeugt werden (!!!).

In diesem Zusammenhang sind auch die Zahlen, die kürzlich von der Heinrich Böll Stiftung veröffentlicht wurden, interessant:

Unbenannt
Quelle: Heinricht Böll Stiftung

Mein Fazit

Milch bietet gesundheitlich gesehen nur wenige eindeutig bewiesene Vor- oder Nachteile. Trotzdem solltet ihr die oben genannte „Tatsache“ sowie die „Fragen“ nicht außer Acht lassen. Hinzukommen sowohl ethische als auch ökologische Gesichtspunkte, die stark gegen den ausgiebigen Milchgenuss sprechen. Besonders in Anbetracht der zahlreichen Alternativen (z.B. Soja-, Reis-, Hafer-, Mandel- oder Kokosmilch), die Ihr mittlerweile überall findet, bietet es sich an, den Milchkonsum auf die Milch in Eurem Kaffee zu beschränken. Die Tiere und die Umwelt werden es Euch danken!

Liebe Grüße und bleibt gesund,

Euer Claudio

2 Kommentare zu „Die Milch macht’s! Oder doch nicht?

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  1. Hey, Claudio, super, dass du neben den zumindest unklaren gesundheitlichen Aspekten des Milchkonsums auch ausdrücklich auf die ethischen und ökologischen Probleme hinweist. Ein gelungener Einblick ins Thema!

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